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Seit einigen Monaten feiert Kaplan Stefan Wingen in der Stadtpfarrkirche St. Johannes jeden Dienstag um 19 Uhr die heilige Messe nach der sogenannten tridentischen Form. Der Name leitet sich vom Konzil von Trient (1545-1563) ab. Damals wurden die liturgischen Regeln der Messfeier beschlossen.
NEUMARKT - Es ist 18.45 Uhr, ein heißer Juli-Dienstag. Um die 70 Gläubige kommen in das große Gotteshaus, viele davon von auswärts.
Faltblätter liegen aus, auf denen die Gebete stehen, in lateinischer und dahinter in deutscher Sprache. Latein gilt bis heute als Amtssprache des Vatikan.
Erinnerungen werden bei den Gläubigen wach, die zum größten Teil über 50 sind, als es nur diese Messform gab.. «Sie ist für mich die alleinig gültige», merkt eine Frau an, die mit ihrem Mann aus Altdorf gekommen ist. Auch andere halten überhaupt nichts von der seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingeführten neuen Form und verurteilen sie gar.
«Heil der Seelen»
Kaplan Stefan Wingen lehnt solche Einstellungen ab. «Ich kann nicht vorschreiben, was andere denken sollen», sagt der Kaplan dazu. «Ich will das Heil der Seelen und die geistige Vielfalt fördern», betont der junge Geistliche, der diese Messform mit zwei, drei Gläubigen begonnen hat.
Der 32-Jährige, der aus Koblenz stammt, tritt zum Hochaltar, den Blick nach vorne gerichtet, und beginnt zu beten, alles in Latein. So will es die alte Form und so wollen es die Gläubigen, die fleißig auf das «Dominus vobiscum» Der Herr sei mit Euch) mit « Et cum spiritu tuo» (Und mit Deinem Geiste) antworten.
Seit 1570, also ein Vierteljahrtausend der Kirchengeschichte, habe die alte liturgische Form Bestand gehabt, könne also gar nicht falsch sein, äußert sich Wingen dazu. Papst Benedikt XVI erlaubte in seinem Schreiben «Summorum Pontificum» vom 7. Juli 2007 ausdrücklich die alte Messfeier wie schon sein Vorgänger Johannes Paul II. «Sie ist nun die außerordentliche Form neben der ordentlichen Form, also der Messe in deutscher Sprache», erklärt Wingen.
Die Arten der Messfeiern müssten in einer Entwicklung gesehen werden, es bestünden keine Widersprüche, schrieb der Papst an die Bischöfe. Es sei auch deshalb nicht rückwärtsgewandt oder eine Rücknahme der Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils, führt Wingen im Gespräch weiter aus. Und als Ewiggestrigen möchte er sich überhaupt nicht bezeichnen lassen. Beide Messformen seien gleichrangig.
Viele Gebete spricht der Priester still. In Deutsch trägt er die Lesung und das Evangelium laut vor.
Keine Handkommunion
Keiner der Gläubigen empfängt die Handkommunion. Da durch die Liturgiereform in den 1960er und 1970er Jahren auch die Kommunionbänke aus den Kirchen entfernt wurden, wurde eigens für diese Art der Messform eine Bank aufgestellt, auf der die Gläubigen zum Empfang der Mundkommunion niederknien. Von der Pius-Bruderschaft distanziert sich Wingen deutlich: «Sie darf kein Monopol für die tridentinische Messe haben.»
Mit dem Segen, natürlich in Latein und zum Hochaltar gewandt, werden die Gläubigen entlassen.
Regelmäßig werden die Messen in der alten Form in der Diözese in Pleinfeld, Nürnberg-Eibach, Ingolstadt und Eichstätt gefeiert. FRANZ XAVER MEYER |