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Vor 25 Jahren sang Marie Deutschland in Köln im EMI-Tonstudio ihre LP «Frau Trude» ein. Im Studio nebenan arbeitete Herbert Grönemeyer an dem Album «Männer». Jetzt hat Marie Deutschland ihre LP auf CD vorgelegt und plant ein Livekonzert in Neumarkt im kommenden Jahr.
PARSBERG/KLAPFENBERG - Sie bereut es nicht, sagt sie. Dass sie vor 25 Jahren lieber nicht auf die Musik-Karriere gesetzt hat, lieber nicht als «deutsche Kate Bush» oder Seite an Seite mit Nina Hagen die Charts stürmte. Heidemarie Rüttinger, 54 Jahre alt, hat viel Power und manchmal «Haare auf den Zähnen», wie ein Musikbusiness-Mann einmal anerkennend über sie gesagt hat. Sie malt, sie hat mit ihrem Mann Michael zwei Häuser restauriert, erfindet Spiele, musiziert, hat fünf Kinder und fünf Enkel, einen Garten, wenig Zeit, viele Ideen. Und ihre LP von 1984 neu auf CD herausgebracht.
Die Geschichte bis zu dieser Neuauflage in silber ist verschlungen. Sie beginnt Anfang der 80er Jahre, als die Rüttingers mit drei Kindern in Sindlbach lebten. Das Paar machte gemeinsam Musik, er kaufte ein Tonband und nahm ein paar Lieder auf, die Heidemarie komponiert hatte. «Ich hab sie ihm vorgesungen, und wir haben zusammen die Harmonien aufgeschrieben.» Dann hat Heidemarie alias Marie Deutschland einfach «mit diesem Krackeles-Band den Oberbonzen von EMI angerufen und ihm gesagt, wenn er mal was Gescheites hören will, dann soll er sich meine Lieder anhören.» Das tat er - und war sehr angetan.
Die «deutsche Kate Bush», wie einer bei EMI Marie Deutschland schon titulierte, bekam einen Plattenvertrag, nahm bei EMI in Köln ihr Album auf, war im Fernsehen bei «Bananas», bei «Live aus dem Alabama» und in «Formel 1» zu sehen. Illustrierte wie Stern, Bravo, Hörzu und andere kamen nach Sindlbach und fotografierten die zierliche Power-Frau, die mit 1,20 Meter langer Mähne und hexigem Habit die Musiklandschaft rockte.
Doch Heidemarie Rüttinger sagt heute, sie habe gleich gespürt, dass die Musiker-Karriere nicht ihr Weg sei. Die Leute in der Szene, das Getue, das Anbandeln - das habe ihr nicht gelegen. Außerdem hatte sie drei Kinder. «Ich wäre ständig unterwegs gewesen, das hätte ich nicht verantworten können.» Als der damals fünfjährige Sohn Roman schwer erkrankte, zog sie sich also aus dem Musikbusiness zurück.
Roman wurde bald wieder gesund. Er war es auch, der Jahrzehnte später seine Mutter wieder als Marie Deutschland ans Mikrofon zurückholte. Er hatte schon als Teenager beim Stöbern im Plattenschrank die LPs seiner Mutter gefunden, ist selber «ein begabter Pianist und Komponist», sagt seine Mutter. So machten sie gemeinsam wieder Musik für eine CD, und 2008 erschien «Das Pendel des Schicksals».
Ausschließlich über die eigene Homepage und über den iTunes-Store vertreiben die Rüttingers die CDs. Im Gästebuch seien immer wieder Anfragen gekommen, ob die erste LP von 1984, «Frau Trude», nicht auch einmal auf CD erscheinen könnte. «Aber wir dachten, wir hätten die Rechte nicht - dabei hätten wir die schon Ende der 80er gehabt», sagt Michael Rüttinger.
Der Schwiegersohn der Rüttingers, der sich beruflich mit Tonstudios befasst, hat sich dann klammheimlich ans Werk gemacht. «Er hat mir an meinem Geburtstag einfach das Master auf den Tisch gelegt», sagt Heidemarie Rüttinger.
Jetzt geht es für sie musikalisch als Marie Deutschland noch einmal weiter, sie plant für den Herbst 2010 ein Livekonzert im Neumarkter Reitstadel, gemeinsam mit der Vernissage einer Bilderausstellung.
Ins Märchenreich
Die Liedertexte von Marie Deutschland führen oft ins Märchenreich; Unter anderem «Frau Trude», «Wechselbalg» und zwei Mondlieder befassen sich mit Märchen der Gebrüder Grimm. «Ich bin ein nüchterner, rationaler Mensch», sagt Heidemarie Rüttinger über sich selbst. «Es gibt nur einige Dinge, die gibt es, aber von denen wissen wir noch nichts.»
«Sie möchte noch einige Bilder für die Ausstellung machen», sagt Michael Rüttinger. Überall in den beiden Rüttinger-Häusern in Klapfenberg hängen Bilder von Heidemarie. Sie malt «Bilder aus dem Innersten», nimmt so Kontakt zum Unterbewusstsein auf: Da gibt es ein Selbstbildnis, auf dem der Körper von großen Nägeln traktiert wird; Bilder von ihren Kindern, die sie in geheimnisvollen Räumen, umgeben von kleinen Menschenfiguren, zeigen; ein Bild einer Frau, die von unzähligen kleinen Pflanzenarmen umschlungen wird. Überall ranken sich Menschen- und Dämonenleiber, es gibt so viel zu schauen wie bei den Verzierungen einer gotischen Kirche.
MAGDALENA KAYSER
Die CD «Frau Trude» von Marie Deutschland und mehr Informationen gibt es unter www.marie-deutschland.de |