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Abzocker-Firma belästigt Neumarkter Rentner |
| Die Homepage «www.nachbarschaftspost.com» mahnt 69-Jährigen ab, der gar keinen Internetanschluss hat |
| Abzocker-Firma belästigt Neumarkter Rentner |
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Die dubiose Firma «Connection Enterprises - Nachbarschaftspost» und die von ihr beauftragte «Deutsche Inkassostelle» versuchen weiterhin, mit einer Internet-Abzocke ans Geld ahnungsloser Bürger zu kommen. Besonders dreist: Auch wer gar keinen Internetanschluss hat, ist vor den betrügerischen Machenschaften nicht gefeit. So zum Beispiel ein Rentner aus Neumarkt.
NEUMARKT - Im vergangenen Juli fand ein 69-Jähriger eine Mahnung über 59 Euro in seinem Briefkasten. Darin wird behauptet, er habe sich im April auf der Internetseite «www.nachbarschaftspost.com» angemeldet, indem er den Code, den ihm die Betreiber-Firma übers Telefon genannt hatte, eingegeben habe. Da musste sich der Empfänger doch wundern: Zum einen hatte er solch einen Anruf nie erhalten, zum andern besitzt er gar keinen Internetanschluss.
Der Mann tat das Richtige: Nur nicht zahlen. Doch damit hatte er das Problem noch nicht vom Hals. Wie bei solchen Betrugsversuchen üblich, übergab «Connection Enterprises» die Daten des Neumarkters an eine Inkassofirma. Inzwischen bekam er schon zwei Forderungen der Deutschen Inkassostelle GmbH mit Sitz in Eschborn bei Frankfurt über 93 Euro. Darin ist zu lesen, dass die E-Mail-Adresse des Anmelders (mit der thailändischen Domain .th) angeblich der Festnetznummer des Rentners zugeordnet werden kann.
Die Verbraucherschützer warnen schon seit geraumer Zeit vor der «Abo-Falle». Erst im Dezember berichteten die Neumarkter Nachrichten von zwei Internetbenutzern aus dem Landkreis, die auch mit Rechnungen und Mahnungen belästigt wurden. Im konkreten Fall arbeitet die Connection Enterprises Ltd. auf den British Virgin Islands mit einem Servicecenter in der Schweiz zusammen.
Die Masche: Die Betroffenen erhalten einen Anruf. Eine Bandstimme behauptet, dass ein Nachbar eine wichtige Nachricht hinterlegt habe. Um diese abzurufen, müsse der Angerufene nur auf die Internetseite «www.nachbarschaftspost.com» gehen und dort einen Zahlencode eingeben, der mitdiktiert wird.
Wer den Code, die eigene Festnetznummer, Name und Adresse sowie seine E-Mail-Adresse eingibt, ist unverhofft in die Abo-Falle getappt. Dann soll er die «Community» zwar vierzehn Tage lang kostenlos testen dürfen, danach aber für zwei Jahre monatlich neun Euro, also insgesamt 216 Euro berappen. Die Seite ist so gestaltet, dass von den Vertragsbestimmungen abgelenkt wird. Auch sind die Vertragsbedingungen kaum leserlich.
Nach Meinung der Verbraucherzentrale haben Besucher der Seite daher keinen Vertrag abgeschlossen oder könnten einen solchen wegen arglistiger Täuschung anfechten. Ein Vertrag wäre auch widerrufbar. Da die Firma in der ersten Mahnung nur eine Kontoverbindung angibt, aber keine Adresse, können die Betroffenen erst einen schriftlichen Widerspruch an die später auftretende Inkassofirma richten. «Einmal sollte man auf jeden Fall widersprechen», sagt Hermine Staudte von der Verbraucherzentrale Amberg. Dazu gebe es ein Musterformular im Internet.
Die Absicht der Internetbetrüger ist klar: Auf die Leute wird Druck ausgeübt in der Hoffnung, dass sie die Nerven verlieren und das geforderte Geld überweisen. «Eine ganze Menge fallen darauf rein», sagt die Verbraucherschützerin. «Der Ton in den Mahnungen wird auch immer schärfer, da wird mit Rechtsanwälten und Schufa-Einträgen eingedroht.»
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat Connection Enterprises zwar schon abmahnen lassen, doch sei die Abmahnung wegen des Firmensitzes auf den Britischen Jungferninseln nicht zustellbar, so Hermine Staudte. Wer aber einen Widerspruch an die Inkassofirma schicke und eine Kopie davon behalte, der sei auf jeden Fall auf der sicheren Seite. NICOLAS DAMM
Download des Musterbriefes unter www.verbraucherzentrale-bayern.de, Kapitel «Medien», oberster Artikel «Abzocke im Internet».
Nicolas Damm |
| 19.1.2009 |
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