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«Konto-Piraten» spähen brave Bankkunden aus

EC-Karten-Betrüger arbeiten mit Aufsatzgeräten und falschen «Türöffnern»- Fälle in Weiden und Regensburg
 «Konto-Piraten» spähen brave Bankkunden aus
Foto: dpa
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Vor wenigen Tagen warnte das BKA: Immer häufiger im Lande machen sich Kriminelle an Geldautomaten zu schaffen, um an Kundendaten und schließlich ans Kundengeld zu gelangen. Auch in Bayern haben die Manipulationen mit Kartenlesegeräten und Minikameras zugenommen. Über 100 Fälle registrierte hier die Polizei im abgelaufenen Jahr. Und die Täter werden immer raffinierter.

NEUMARKT - Erst im Dezember haben Gäste in einem südafrikanischen Lokal fürstlich geschlemmt, und das gleich viermal in Folge. Sie zahlten die Rechnungen über insgesamt 1063 Euro mit einer Scheckkarte - auf Kosten einer nichts ahnenden 40-jährigen Frau im fernen Weiden.

Die konnte sich die Abbuchungen von ihrem Konto nicht erklären und ging zur Polizei. Die Weidener Kripo geht davon aus, dass die Betrüger die Daten der Frau ausgespäht und sie auf eine Scheckkarten-Dublette übertragen haben.

In Bayern seien es in der Regel osteuropäische Banden, die mit erheblichem technischem Aufwand beim Geldabheben am Bankautomaten Daten ausspionieren, sagt Stefan Hartl, Sprecher der Polizeidirektion Regensburg. Der anderere High-Tech-Trick: Sie bringen die Lesegeräte nicht direkt am Geldautomaten an, sondern gleich am Türöffner im Eingangsbereich der Banken. Hier steckt der ahnungslose Kunde seine Karte hinein, will er außerhalb der Öffnungszeiten Geld abheben.

Versteckte Kamera

Das Gerät liest die Daten auf dem Magnetstreifen der Karten ab. Die dazu gehörigen PIN-Nummern werden - wie auch häufig bei den Manipulationen am Automaten - über versteckte Mikrokameras ausgespäht. Auch hier sind die Täter äußerst erfinderisch: Die kleinen Kameras wurden laut LKA auch schon in Rauchmeldern oder in Behältern für Info-Flyer gefunden.

Bringen die Datendiebe ihre Geräte und Aufsätze im Außenbereich an, fängt sie häufig die Videoüberwachung nicht ein. Auch in den Filialen der Sparkasse Neumarkt würden nur die SB-Bereiche mit Kameras überwacht, sagt der Leiter der Organisations-Abteilung, Wolfgang Kirsch.

Allerdings sollten bei Sparkassenkunden sämtliche Alarmglocken schrillen, ständen sie vor solch einem Kästchen mit Schlitz: «Wir haben gar keine Kartenleser an den Außentüren», sagt Kirsch.

Attacken dieser Art oder mit falschen Aufsätzen am Automaten hat es 2008 im Landkreis Neumarkt nicht gegeben. Doch in Regensburg sind sie nicht unbekannt: Erst im vergangenen Dezember meldete sich hier eine Frau bei der Polizei, nachdem in Italien Geld von ihrem Konto abgebucht worden war, obwohl sie ihre EC-Karte bei sich hatte. Eineinhalb Jahre zuvor hatte das LKA einen internationalen Ring von Betrügern zerschlagen, der unter anderem in Regensburg Geldautomaten manipuliert hatte.

Wie die Fahnder berichten, ist das technische Equipment der Täter heute zum Teil schon mit Mobilfunk ausgestattet, um die ausgelesenen Daten sofort an Komplizen, die sich meistens in der Nähe aufhalten, zu übertragen. Mit Hilfe der geklauten Kartendaten stellen sie Duplikate der echten Zahlungskarten her. Damit werden dann fast ausschließlich vom Ausland aus sehr schnell die Konten geplündert - manchmal nur Minuten später.

Doch ist die Chance, Opfer von Datendieben zu werden, beim Geldabheben im Ausland weit größer als in Deutschland. Wenn hier Konten geplündert werden, dann gehen dem zumeist Geldbeutel-Diebstähle voraus.

Pech haben dann jene Bankkunden, die in der Börse PIN-Nummer und Karten gemeinsam mit sich herumtragen. Und das seien noch immer viel zu viele, warnen Polizei und Banken schon seit Jahren.

Nicolas Damm
28.1.2009
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